Geschichte

 

Mercedes-Benz Typ W-126 (260 S bis 560 SEL)

Die ursprüngliche Ausführung der S-Klasse der Baureihe 126 wurde auf der Frankfurter Automobil-Ausstellung im September 1979 vorgestellt. Wichtigstes Konstruktionsziel für diese damals weitgehend neu konzipierte Typenfamilie war die Verringerung des Gewichtes und des Luftwiderstandes, um den Benzinverbrauch (es gab auch ein Diesel-Modell, spielt hier aber keine Rolle) möglichst noch weiter zu verringern. Ob freilich ein bisschen Verbrauch mehr oder weniger für Besitzer eines Wagens der S-Klasse von so grosser Wichtigkeit ist, erscheint doch eher fraglich, zumal die Kostenrechnung hiervon weit weniger beeinflusst wird als durch den immensen Entwicklungsaufwand, welchen selbst eine geringfügige Gewichtsverminderung erfordert und der sich im Listenpreis des Wagens sehr nachdrücklich auswirkt. Ebenso dürfte bei der Verringerung des Luftwiderstandes inzwischen jene Grenze erreicht sein, wo der theoretische Erfolg durch praktische Nachteile in bezug auf Bequemlichkeit und Komfort mehr als aufgezehrt wird. Ungeachtet solcher Erwägungen zählen freilich die Wagen der S-Klasse nach wie vor zu den Spitzenautomobilen, und in ihrer Art sind sie zweifellos die besten der Welt. Saubere Verarbeitung und perfekte Technik, Zuverlässigkeit, Dauerhaftigkeit und Anspruchslosigkeit, überlegene Fahrleistungen und unübertroffene Fahreigenschaften bei müheloser Bedienbarkeit, grösstmögliche innere Sicherheit auf der einen, selbstverständliches Prestige auf der anderen Seite zeichnen in einzigartiger Kombination diese wirklich ganz und gar erstklassigen Automobile aus. Im Vergleich zur vorhergehenden wirkt die Reihe W-126 äusserlich schmuckloser und vielleicht auch funktioneller, wobei die Schaumstoffblenden der unteren Karosserieflächen zwar nicht unbedingt schön aussehen, aber gewiss von Nutzen sind. Die Motorenstaffel war zunächst nahezu unverändert vom Vorgänger übernommen worden, wobei man lediglich den 4,5 Liter auf 5 Liter Hubraum aufgebohrt hatte.

Eine gründliche Überarbeitung der Achtzylinder-Motoren erfolgte zum Herbst 1981. Die gleichzeitige Verlängerung der Antriebsübersetzungen bezweckte und erreichte eine deutliche Reduzierung des Verbrauchs. Beim 3,8 Liter änderte man sogar ohne viel Aufhebens die Zylinderabmessungen, wobei freilich trotz solchen Aufwands das Schicksal dieses Triebwerks bestehen blieb, zwischen dem 280 S einerseits und dem 500 SEL andererseits kein sonderlich attraktives Angebot darzustellen. Der ganz famose 280 S übrigens stand hier wie schon bei den vorhergehenden Baureihen viel zu sehr im Schatten des 280 SE, was grösstenteils auf die Fehlinformation des Publikums durch unsinnige Vorurteile zweier grosser Autozeitschriften zurückzuführen war.

Ebenfalls auf der IAA im September 1981 wurde ein völlig neues Familien-Coupé als Typ 380 SEC und Typ 500 SEC vorgestellt. Es übernahm die Nachfolge der zum gleichen Zeitpunkt aus der Produktion genommenen SLC-Coupés, denen gegenüber das neue Modell viel eindrucksvoller und stattlicher aussieht. Mehr denn je zuvor werden abgewandelte Wagen der S-Klasse nachgefragt. Dies gilt vor allem für.beschussgesicherte. Limousinen, von welchen Daimler-Benz jährlich etwa 100 Stück an Politiker sowie andere attentats- oder entführungsgefährdete Persönlichkeiten liefert. (Einige weitere Wagen werden von darauf spezialisierten Karosseriefirmen im In- und Ausland entsprechend umgebaut).

Gepanzerte Limousinen sind von der serienmässigen Normalausführung äusserlich kaum zu unterscheiden. Aber ihr Gewicht ist etwa um die Hälfte höher, und die Höchstgeschwindigkeit muss wegen der Reifen auf 180 km/h beschränkt bleiben. Der Mehrpreis für ein solches Auto betrug mindestens € 100’000 (umgerechnet).

 

Die zweite Halbzeit der S-Klasse W-126 begann anlässlich der Frankfurter IAA im September 1985. Sowohl innen wie aussen liess man dem Wagen zahlreiche kleine Änderungen und Verbesserungen angedeihen. Dass die seitlichen Verkleidungen an der Karosserie nunmehr glattflächig statt geriffelt sind, ist insofern wichtig, weil dies äusserlich das wichtigste Merkmal der modifizierten S-Klasse darstellt. Echt neu hingegen präsentiert sich deren Motorangebot. Von der Mittelklasse-Baureihe 124 hat man die neuen 2,6 und 3 Liter Sechszylinder-Motoren übernommen, womit der seitherige 2,8 Liter entfiel. Bei den Achtzylindern wurde der 3,8 auf 4,2 Liter vergrössert, der 5 Liter erhielt etliche Detailverbesserungen, und dazu kam nun als Krönung des Programms ein 5,6 Liter-V8, ein 5 Liter mit grösserer Kurbelwelle. Eine weitere Errungenschaft ist der Übergang von 14 auf 15 Zoll-Felgen mit entsprechend grösseren Reifen und Scheibenbremsen.

Die S-Klasse der Baureihe W-126 wurde von 1979 bis (Mitte) 1991 produziert.